Video und Lernen

In der digitalen Welt des Online-Lernens stehen alle Arten von Videos hoch im Kurs. Es ist mit dem Smartphone einfach geworden einen kurzen Film zu erstellen. Doch ist dieser Trend wirklich lernwirksam? Welche Massnahmen braucht es, damit sich der Aufwand der Erstellung rechtfertigt? Damit sich der Inhalt vom begrenzt aufnahmefähigen Arbeitsgedächtnis ins Langzeitgedächtnis verschiebt?
Es sind , wie auch sonst beim Lernen, drei Schritte wichtig:
1. Es braucht nach dem ersten Durchlauf die Möglichkeit den Film oder einzelne Sequenzen nochmals genauer anzuschauen. Repetieren eben, wiederholter Zugriff zu den Inhalten.
2. Notizen machen ist wichtig, damit wir das Wesentliche festhalten können. Das kann am PC oder von Hand sein. Dadurch verarbeiten wir den Inhalt tiefer.
3. Zum Schluss versuchen wir uns an die zentralen Inhalte des Gesehenen möglichst genau zu erinnern, unser Gedächtnis abzufragen, eine interne «Rückrufaktion».
In der Lerntheorie wird der Unterschied zwischen episodischem und semantischem Gedächtnis gemacht. Episodische Erinnerungen sind Kurzgeschichten, Erlebnisse, die wiedergegeben werden können. Z.B. was wir heute gegessen haben oder gestern Abend am Telefon von einer Kollegin gehört haben. Videosequenzen beinhalten Szenen, Ereignisse, Verfahren, Orte und Menschen, die etwas tun. Es sind episodische Erinnerungen. Oft sind sie zu schnell oder zu lang um behalten werden zu können.
Das semantische Gedächtnis ruft in uns Sprache, Fakten, Zahlen und Regeln in Erinnerung.
Wir haben ein eigenes Tempo um diese Art von Informationen zu verarbeiten, müssen verschiedenste Elemente in unserem Arbeitsspeicher miteinander kombinieren. Das bringt eine zusätzliche Anstrengung für unser Gehirn. Dafür eignet sich ein Video weniger. Es geht um das Festigen des Gehörten oder Gesehenen, tieferes Denken und Verarbeiten.
Bei Lernerfahrungen geht es um eine Veränderung des Wissens oder Verhaltens. Das ist das Gegenteil von sogenanntem Edutainment, flacher Medienerfahrung, Multiple-Choice-Aufgaben, Drag and Drop.
Surfen im Netz bringt somit keine vertiefte Lernerfahrung. Schade…

Quelle: Donald Clark, Donald Clark Plan B, 19. Mai 2019

Sitzmann, T. & Johnson, S. K. (2012). Wann ist Ignoranz Glückseligkeit? Die Auswirkungen ungenauer Selbsteinschätzungen des Wissens auf das Lernen und die Zermürbung. Organisationales Verhalten und menschliche Entscheidungsprozesse, 117,192 – 207.

Sitzmann, T., Ely, K., Brown, K. G., & Bauer, K. (2010). Selbsteinschätzung von Wissen: Ein kognitives Lernen oder affektive Maßnahme? Akademie für Management Lernen und Bildung, 9,169-191.

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