Blog

  • Wissenschaftliches Schreiben mit KI

    Wissenschaftliches Schreiben mit KI

    Wissenschaftliches Schreiben mit KI

    Wie wird sich das wissenschaftliche Schreiben durch KI-Werkzeuge verändern?
    Die Lehr- und Lernblogs laufen heiss mit dieser Frage. Dies zu Recht, denn es kommen neue Möglichkeiten zur Informationsbeschaffung und Textproduktion hinzu. Wie geht das, wenn Mensch und Maschine sich die Verantwortung für den Text teilen? Wenn externalisiertes und dynamisiertes Schreiben einen immer höheren Stellenwert bekommt? KI kann und wird die Inhalte und das Schreiben von Texten beeinflussen. Wir brauchen als Gesellschaft nach wie vor qualitativ hochstehende und kritisch reflektierte Texte. Kann das durch freiwillige Regeln der Programmanbieter und durch neue Datenschutzverordnungen sichergestellt werden?

    Im Diskussionspapier Nr. 23/Juni 2023 des Hochschulforums Digitalisierung werden zur Zukunft des wissenschaftlichen Schreibens 10 Thesen von 9 AutorInnen formuliert.

    „These 1: Schreibprozesse sind KI-basiert
    These 2: Texte werden fluide
    These 3: Mensch und Maschine teilen sich die Verantwortung für den Text
    These 4: Sprache wird (ver)einheitlich(t) und standardisiert
    These 5: Lesende werden Texte nach anderen Kriterien beurteilen
    These 6: Erkenntnisgenerierendes Schreiben verändert sich
    These 7: Denken wird externalisiert und dynamisiert
    These 8: Der Zugang zum Autorin-Sein verändert sich
    These 9: Die Beziehung zwischen Autorinnen und Rezipientinnen ändert sich
    These 10: Die Ausbildung von Schreibenden verändert sich“

    Für jede These wird eine utopisches und ein dystopisches Szenario ausgearbeitet. Was wird davon eintreffen? Mit dem Wort „disruptiv“ kann auf die noch wenig überschaubaren Veränderung in der Hochschullandschaft hingewiesen werden.

    „Denn nicht nur generative Tools wie ChatGPT haben einen erheblichen Einfluss auf wissenschaftliche Praktiken, sondern auch KI-basierte Anwendungen zur Recherche, Lektüre, Übersetzung und für andere schreibbezogene Tätigkeiten.“

     

    Anika Limburg u.a., Hochschulform Digitalisierung, Diskussionspapier Nr. 23, Juni 2023

    Bildquelle: Autor:innen-Team in Anlehnung an Kruse (“ Keine Angst vor dem leeren Blatt: Ohne Schreibblockaden durchs Studium. 2007, S. 112)
    https://www.muellerkaelin.ch/lerntrend-chatbot/
    Für Studienanfänger (Mein Blogbeitrag vom 8. Januar 2022)

    Für viele Studienanfänger ist das wissenschaftliche Schreiben neu und ungewohnt. Bereits gibt es einen kostenlosen Online-Einführungskurs, der hilfreich für den Einstieg in den
    eigenen Arbeitsprozess ist. Das Verknüpfen verschiedenster Fähigkeiten wie die korrekte Wiedergabe von Fachinhalten und die Kenntnis akademischer Textsorten sind anspruchsvoll. Dazu kommen die
    Darstellung eigener Forschungserkenntnisse und das Ausformulieren eigener Gedanken.

    https://imoox.at/course/WSSfS

    Zielpublikum
    Das Zielpublikum umfasst Lernende und Lehrende, das Arbeiten mit Videos ist für alle wichtig.
    Die Ausschreibung richtet sich

    • „an Studierende, die an akademischen Texten schreiben.
    • An Lehrende, die akademische Arbeiten betreuen und den MOOC oder einzelne Videos daraus in ihrer
      Lehre einsetzen möchten.
    • An alle wissenschaftlich Schreibende, die Unterstützung benötigen.

    In diesem MOOC werden Phasen entlang des wissenschaftlichen Schreibprozesses von der ersten Idee bis zur Fertigstellung einesTextes beschrieben. Der Schreibprozess ist individuell und in Schritte
    unterteilbar. In den fünf Lektionen zeigen Expertinnen, mit welchen Schreibübungen und -techniken man Hürden und Stolpersteinen beim wissenschaftlichen Schreiben begegnen kann.“

    Kursinhalte

    Die fünf Lektionen behandeln je einen Schwerpunkt des Schreibprozesses und sind mit konkreten Schreibübungen
    und -techniken praxisbezogen und anwendungsorientiert ausgerichtet.

    • Lektion 1: Der wissenschaftliche Schreibprozess
    • Lektion 2: Ideen sammeln & Gedanken notieren
    • Lektion 3: Vom Lesen ins Schreiben kommen
    • Lektion 4: Themen und Inhalte strukturieren
    • Lektion 5: Mit einem Sprint zum Fokus

    Vielen Dank der FHWien : Christina Hollosi-Boiger, Katrin Miglar, Silke Schwaiger & Teresa Baier

    FHWien der WKW

    und iMoox

    Auf iMooX werden frei zugängliche und offen lizenzierte Online-Kurse (Massive Open Online Courses) zu unterschiedlichen Themen angeboten, die allen Interessierten
    kostenlos, zeit- und ortsunabhängig zur Verfügung stehen. iMooX ist ein Partner von Hochschulen und Institutionen in Österreich, um gratis Online-Kurse auf universitärem Niveau anzubieten.
    https://imoox.at/page/about

  • Lerntrend Chatbot

    Lerntrend Chatbot

    Lerntrend Chatbot

    Der Lerntrend Chatbot ist in der Bildungslandschaft dieses Jahr angekommen. Die computergesteuerten Programme führen menschenähnliche Konversationen mit Benutzern. Eine Kombination aus Regeln, Sprachmodellen und maschinellem Lernen generiert schnell eigene Texte auf Anfrage. Es herrscht in Bildungsinstitutionen helle Aufregung darüber, dass nun Aufsätze und Semesterarbeiten über einen Chatbot von Google oder Microsoft generiert werden können. Diese Art von „künstlicher Intelligenz“ vereinfacht und beschleunigt die Erstellung von Text, die Sprachgeneratoren arbeiten cloudbasiert. Sie lassen sich nicht lokal oder auf eigenen Servern installieren. Die Frage von Fake News stellt sich vermehrt und noch dringlicher als bisher. Die Erhebung von Nutzungsdaten, die wir alle für die Grosskonzenre gratis eingeben, geht weiter im grossen Stil. Die Datenschutzregeln sind nicht geklärt. Die EU möchte aber bald Regeln für den Datenschutz und das Copyright von Inhalten einführen, ebenso macht sich China auf den Weg für die Regulierung der Programme. Die Schweiz wird sich voraussichtlich an den EU-Richtlinien orientieren. Achtung: Der Mensch stellt die Inhalte her, die Informationstechnologie sucht diese Daten und setzt sie neu zusammen. Der Begriff „künstliche Intelligenz“ ist nicht korrekt. Der Mensch, resp. die Firmen bestimmen die Darstellung der Inhalte und die Art der Verbreitung.

    Bedeutung fürs Lernen
    • Das Umgehen mit Chatbots, die Medienkompetenz muss weiter geübt und verfeinert werden. Nicht nur Schülerinnen und Studierende, auch ältere Lernende sind gefordert. „Information Literacy“  – Medienkompetenz – gehört immer stärker zur Allgemeinbildung.
    • Die traditionelle Bedienung einer Suchmaschine genügt nicht mehr. Das kognitive Anspruchsniveau für das berufliche und gesellschaftliche Leben steigt weiter. Die digitale Schere öffnet sich kontinuierlich. Es geht dabei aber nicht nur um das Anwenden von Chatbots,
      sondern auch um das Verstehen der technischen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

    • 3 Perspektiven zu Chatbots

      Dagstuhl Dreieck für die digitale Bildung
      Quellen:
      https://mia.phsz.ch/Dagstuhl/WebHome

      https://mia.phsz.ch/MIA/ChatGPT

      KI-Chatbots bieten Lernenden Unterstützung und Hilfestellung, damit sie recherchieren und komplexe Inhalte besser verstehen können. So können sie beispielsweise Chatbots nutzen, um die richtigen Studienmaterialien oder Bibliografien für ihre Aufsätze zu finden. Diese Art von KI-Tools muss jedoch von den Lehrkräften ständig überprüft werden, da die Schülerinnen und Schüler sie möglicherweise nutzen, um nach unangemessenen Inhalten zu suchen oder sogar die Antworten des Chatbots direkt zu kopieren. Es ist am besten, einige Grundregeln festzulegen und sicherzustellen, dass die Lernenden wissen, wie die App in ihren Bildungsplan passt. Betonen Sie, dass Chatbots ein wertvolles Recherchetool sein sollen und kein persönlicher Assistent, der die Aufgaben für sie erledigt.

      Chatbots, d.h. Textanwendungen, sind der Beginn von KI Anwendungen. Bald werden Bilder, Video, Webcams dazukommen. Das Metaverse lässt grüssen. Die grossen Techunternehmen (Amazon, Google, Microsoft mit ihren iClouds) werden den Markt dominieren in der westlichen Welt. Bald können diese Firmen die persönlichen Lerntechniken, zusammen mit den Einkaufsvorlieben, analysieren und auf dem IT-Tablet servieren. Dazu erhalten die Lernenden auch die passende App. Ein neues Geschäftsfeld entwickelt sich sprunghaft. Es wird sich zeigen welches Geschäftsmodell sich in den nächsten Jahren erfolgreich durchsetzen kann.

      KI in der Berufsbildung

      Die Integration von KI-Anwendungen in den laufenden Berufsbildungsgängen wird noch viel zu reden geben.
      Generative KI Applikationen  (ChatGPT, Dalle-E 2 etc.) werden bereits als Assistenzsystemen in der Arbeitswelt verwendet. Die Lernenden müssen verstehen was diese Programme können und wo ihre Grenzen liegen.
      Die Bedienung dieser Software- Applikationen („Prompt-Design“) muss geübt werden.

      Das Thesenpapier Integration generativer KI-Technologien in der Berufsausbildung von Kaufleuten für Versicherungen und Finanzanlagen kann bereits heruntergeladen werden:

      https://www.bwv.de/ueber-uns/news/news/chatgpt-co-in-der-berufsausbildung

      KI in der Hochschullehre

      In einigen Universitäten der USA und Frankreich wurde hat das Verwenden der Software ChatGPT verboten. Andere Hochschulen sehen in diesen Applikationen die Möglichkeit das kritische Denken an Hochschulen wieder bewusst zu fördern.

      https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/praxistest-chatgpt-weimann-sandig

      KI-Chatbots bieten Lernenden Unterstützung und Hilfestellung, damit sie recherchieren und komplexe Inhalte besser verstehen können. So können sie beispielsweise Chatbots nutzen, um die richtigen Studienmaterialien oder Bibliografien für ihre Aufsätze zu finden. Diese Art von KI-Tools muss jedoch von den Lehrkräften ständig geprüft werden, da die Lernenden sie möglicherweise nutzen, um nach unangemessenen Inhalten zu suchen oder sogar die Antworten des Chatbots direkt zu kopieren. Es ist am besten, einige Grundregeln festzulegen und sicherzustellen, dass die Lernenden wissen, wie die App in ihren Bildungsplan passt. Chatbots eignen sich als wertvolles Recherchetool und nicht als persönlicher Assistent, der die Aufgaben erledigt.

      Diskussionen über die Sinnhaftigkeit von Texterstellung und Textübersetzung stellen sich, teilweise analog zur Einführung des Taschenrechners statt Kopfrechnen. Individuelle Fragestellungen und Plagiatssoftware schützen nicht mehr vor Betrug. Es braucht eine persönliche, mündliche Betreuung von Lernenden. Prozessportfolios können zur Entstehung von Dokumentationen und zur Kontrolle erstellt werden. Mündliche Prüfungen werden wichtiger. Papier und Beistift sind wieder gefragt.

    KI Apps zum Sprachenlernen

    KI-basierte Hilfsmittel für die Barrierefreiheit helfen Schülern mit besonderen Lernbedürfnissen beim Zugang zu und beim Umgang mit Unterrichtsmaterialien. Hier sind einige Beispiele zum Sprachenlernen mit duolingo.com:

    – Spracherkennungstools übertragen gesprochene Sprache in geschriebenen Text und helfen so Menschen mit Hörbehinderungen und solchen, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben.
    – Text-to-Speech-Tools lesen Texte laut vor, um Menschen mit Sehbehinderungen oder Leseschwierigkeiten zu unterstützen.
    – Tools für geschlossene Untertitel erzeugen automatisch Untertitel für Videos und andere Multimedia-Inhalte.
    – Sprachübersetzungsprogramme übersetzen Text und Sprache in verschiedene Sprachen, um das Verständnis und die Wissensspeicherung der Lernenden zu verbessern (z.B. www.DeepL.com/Translator)

    Sprachenlernen mit Chatbot 4. Ist nicht kostenlos wie im Moment noch ChatGPT 3.5.

    Vergleich duolingo und Khan Academy.: https://www.classcentral.com/report/chatgpt-on-duolingo-khan-academy/

    https://donaldclarkplanb.blogspot.com/2023/03/chatgpt4-hits-duolingo-game-changer-in.html

    Und zum Schluss dieser ersten Auslegeordnung 4 Fragen an Chat GPT, gestellt von der wbv Publikation, Zeitschrift für Erwachsenenbildung:

    4 Fragen an Chat GPT 5-23

    https://www.wbv.de/shop/Blendend-lernen-WBDIE2301

    Ergänzungen von Oktober 2023:

    Wo finde ich Prompts:

    KI-Strategie: Prompting, Referenzieren & Regeln

    Wie referenziere ich Inhalte von KI?

    https://apastyle.apa.org/blog/how-to-cite-chatgpt

  • Lesen im Netz

    Lesen im Netz

    Wie verändert sich unser Leseverhalten im  Netz?
    Seit über 20 Jahre lesen wir viele Texte und ganze Bücher auf den Bildschirmen von PCs, laptops, ebook readers, Tablets und Smartphones.

    Im Internet wird gescannt, überflogen, durchgekämmt und durchforstet. Dies gilt es bei der Gestaltung von Texten und Lerninhalten zu berücksichtigen.

    Lesen im Netz – was heisst das heute?

    Es wird überall und immer gelesen. Zuhause, auf dem Arbeitsweg, in der Freizeit. Immer seltener sehen wir Menschen ohne ein Smartphone oder Tablet in ihren Händen. Die Digitalisierung des Lesens hat uns wesentlich verändert. Lesende nehmen sich viel weniger Zeit für einzelne Texte. Sie wechseln zwischen Artikeln oder Webseiten schnell hin und her. Möchten die Texte auf einen Blick erfassen. Sie springen von Stichwort zu Stichwort. Oft wird nur die Einleitung, eine Aufzählung oder der Schluss eines Textes gelesen. Besonders Bilder und Videos erhalten hohe Aufmerksamkeit. Falls der Inhalt wirklich interessiert, dann wird der online-Text sorgfältiger gelesen. Diese neuen Gewohnheiten verändern das Leseverhalten von Lernenden.

    Literatur lesen
    Literatur wird digital anders gelesen und verarbeitet als analog. Das jeweilige digitale Medium verändert unser Leseverhalten. Je nachdem welches Medium wir benützen, gestalten wir unseren Leseprozess. Das haben wir sicher selber bemerkt in den letzten Jahren.

    Zum Lesen von Literatur gibt es einen ansprechend gestalteten Mooc (Massive Open Online Course) der Universität Basel. Dort werden Begriffe wie

    – „Hyper and social reading“ – Ueberfliegen von Text und mit anderen Nachrichten austauschen,

    – „Close reading“  – Text im wissenschaftlichen Kontext genau lesen,

    – „Historlical reading“  – Text in historischen Kontext setzen u. analysieren,

    – „Distant reading“ – finden Sie die Bedeutung selber raus…

    – „Surface reading“  – Text in speziellen analogen Formaten lesen“ .

    Texte in verschiedenen Medien zu lesen bedeutet verschiedene Texte zu lesen. So belegt und begründet es der Dozent Prof. Dr. Philipp Schweighauser. Eine interessante Feststellung, die mir bisher ansatzweise bewusst war. Der interessante MOOC in Englisch kann kostenlos für 6 Wochen besucht werden.

    www.futurelearn.com:
    Literature in the Digital Age: from Close Reading to Distant Reading, Universität Basel

    https://www.futurelearn.com/courses/reading-digital

    Buch oder eBuch?, interner Link
    https://wp.me/p7yrzO-1Um

    Youtube, ein Lernmedium?
    https://www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/themen-und-hintergruende/youtube-lernmedium/

    Auflösung „Distant reading“: 
    „Distant Reading“ ist ein literaturwissenschaftlicher Ansatz, bei dem Computermethoden auf literarische Daten, die in der Regel aus großen digitalen Bibliotheken stammen, zu Zwecken der Literaturgeschichte und -theorie angewendet werden.

     

    21/08/23

    Folio-Kolumne von Dieter Euler

    Verhindern digitale Medien die Entwicklung von Lesekompetenzen?

    Gefährden digitale Medien die Lesekompetenzen von Jugendlichen? Die Frage verlangt nach einer differenzierten Antwort. Während das Lesen auf bzw. mit digitalen Medien primär der Suche von relevanten Informationen oder dem Vergnügen dient, erfordert das verstehende Lesen eine andere Haltung – Konzentration, Anstrengung und begleitende Techniken des Behaltens und Strukturierens.


    Die in einem dreijährigen Turnus erscheinende PISA-Studie zeigte zuletzt, dass die 15-jährigen Schweizer bei den Lesefähigkeiten nicht gut abschneiden. Sie rangieren im internationalen Vergleich nur im hinteren Mittelfeld. Eine Kernaussage: Mehr als 20 Prozent der Lernenden erreichen nicht die Mindestkompetenzen im Lesen und sind nicht in der Lage, einen einfachen Text in den Grundzügen zu verstehen. Für die Berufslehre ist dies aber bedeutsam, da entsprechende Lesekompetenzen in vielen Berufen vorausgesetzt werden.

    Digitales Lesen erfolgt zumeist durch Überflieger, das heisst, die Texte werden eher gescannt als dass sie bewusst und aufmerksam studiert werden.

    PISA liefert zunächst lediglich eine Beschreibung. Die Studie selbst gibt keine Erklärung für die Situation ab und kann demzufolge auch keine begründeten Empfehlungen an diejenigen formulieren, die diese Situation verbessern möchten. Insofern erstaunt es nicht, dass die Suche nach Erklärungen in Medien und Öffentlichkeit an unterschiedlichen Punkten ansetzt. Während die einen die zentrale Ursache in familiären Erziehungsbedingungen mit den unterschiedlichen Formen der Hinführung der Kinder zu Büchern und Leseerlebnissen sehen, betonen die anderen aktuelle gesellschaftliche Rahmenbedingungen wie etwa den Einfluss der digitalen Medien. Die Bildhaftigkeit der Informationsdarstellung auf den Bildschirmen eines Smartphones, Tablets oder Laptops führten dazu, dass das Lesen von längeren Texten schnell die Konzentrationsfähigkeit der Jugendlichen erschöpft. Und in der Tat scheinen die digitalen Medien die Kontexte für das Lesen von Informationen verändert zu haben. Gedruckte Bücher wandern in die Speicher der digitalen Allzweckinstrumente und werden bestenfalls als E-Books rezipiert, Zeitungen und Zeitschriften verschwinden aus den Regalen. Die gedruckte Encylopædia Britannica wurde 2012 nach 244 Jahren eingestellt, der deutsche Brockhaus folgte kurz darauf. Inwieweit Wikipedia diese Lücken zu füllen vermag, wird dabei durchaus kontrovers diskutiert.

    Die Beispiele dokumentieren zum einen den Übergang von analogen zu digitalen Medien. Sie zeigen zum anderen aber auch, dass Lesen in diesem Transformationsprozess nicht überflüssig wird. Im Gegenteil: Wir werden überflutet von (Schrift-)Informationen, beispielsweise beim Zugriff auf Internetinformationen oder beim Erfassen von Informationen aus E-Mails und sozialen Medien. Das Gros der Lesezeiten verbringen zunehmend mehr Menschen am Bildschirm. Zugleich weisen Befunde aus der Leseforschung darauf hin, dass wir anspruchsvollere Texte schlechter verstehen, wenn wir sie digital lesen. Digitales Lesen geschieht schneller, sprunghafter und weniger sorgfältig.

    Digitales Lesen erfolgt zumeist durch Überflieger, d.h., die Texte werden eher gescannt als dass sie bewusst und aufmerksam studiert werden. Der Text wird oberflächlich durchgekämmt nach relevanten Informationen oder einem bestimmten Inhalt. Es geht aber nicht darum, hintergründige Botschaften zu erschliessen, Botschaften zwischen den Zeilen zu verstehen oder den Text kritisch einzuschätzen.

    Die Ausbreitung der digitalen Medien beeinträchtigt demnach nicht unbedingt den Umfang des Lesens, wohl beeinflusst sie die Art des Lesens. Verstehendes, vertieftes und intensives Lesen ist mit digitalen Medien schwieriger zu realisieren – hier behalten die analogen Medien in Form von gedruckten Texten weiterhin ihre Bedeutung. Das verstehend-intensive Lesen von Texten mit für die Lesenden neuen Inhalten verläuft langsamer und erfordert vergleichsweise hohe kognitive Anstrengungen. Ein Studientext muss durch Rück- und Nachfragen, Zwischenresümees, Notizen u.a. erarbeitet werden, während bei einem belletristischen Text zumeist die ganzheitliche, intuitive Erschliessung im Vordergrund steht. Wer am Bildschirm zur Unterhaltung liest, muss das Gelesene nicht unbedingt behalten. Auch wenn die intensive Erarbeitung mit digitalen Medien möglich ist, so fällt dieser Prozess den meisten Lernenden doch mithilfe von haptischen Operationen an Papier und Stift leichter.

    Was bedeutet dies für den Erwerb von Lesekompetenzen?

    Zunächst wäre anzuerkennen, dass unterschiedliche Lesehaltungen existieren, die bei vielen Lernenden eng mit einem unterschiedlichen Medieneinsatz verbunden sind. Das Lesen auf bzw. mit digitalen Medien dient primär der Suche von relevanten Informationen, der Unterhaltung oder dem zweckfreien Vergnügen. Hier besteht die pädagogische Herausforderung darin, neben dem Handling geeigneter Tools wie etwa Suchmaschinen die gefundenen Informationen einschätzen und einordnen zu können. Dies bedingt auch Kenntnisse über die ökonomischen oder politischen Motive der Datenlieferanten. Demgegenüber bedingt das Lesen im Modus des verstehenden Lesens eine andere Haltung – diese erfordert Konzentration, Anstrengung und begleitende Techniken des Behaltens und Strukturierens.

    Maryanne Wolf sieht eine Gefahr darin, dass das überfliegende Lesen die Fähigkeit zum vertieften Lesen verdrängt. Sie fordert daher die Entwicklung einer «biliteracy», einer Doppel-Alphabetisierung. Wie würde die Schweiz wohl bei einem PISA-Test abschneiden, der beide Leseformen erfasst?

    Die vorliegende Kolumne erschien zuerst in Folio 4/23; wir danken dem BCH für die Abdruckerlaubnis.

    Literatur

    • Wolf, Maryanne (2019). Schnelles Lesen, langsames Lesen. Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen. Penguin Books.
  • Anders arbeiten – aber wie?

    Anders arbeiten – aber wie?

    Wir sind in einer beschleunigten Neuorganisation der Arbeitswelt. Schon Kinder und Jugendliche arbeiten am Computer zuhause. Ihre Eltern ebenso.
    Es kann eng werden, wenn nur 1 Laptop und wenig Freiraum im Haushalt vorhanden sind.

    Dennoch helfen die neuen Arbeits-Spielregeln den homeoffice-Alltag leichter zu gestalten:

    1. Ich bestimme selber wann mein Arbeitsalltag anfängt und wieder aufhört.
    Mein Arbeitgeber interessiert nicht ob ich zuerst Gymnastik mache oder bereits um 5 Uhr am Internet arbeite.
    Wichtig ist, dass die Arbeit rechtzeitig und richtig erledigt wird. (mehr …)

  • Top Tools Learning 2022

    Top Tools Learning 2022

    Welches sind die beliebtesten Top Tools zum Lernen und Arbeiten im Jahre 2022?
    Es gibt auf dem Markt für berufliches und persönliches  Lernen unzählige digitale Werkzeuge – „tools“ eben, die gratis oder kostenpflichtig angeboten werden. Meistens muss eine app (Abkürzung application = Anwendung) heruntergeladen und regelmässig aktualisiert werden. Was ist von diesen technischen Werkzeugen hilfreich beim eigenen Lernen und Wissensaufbau?
    Die Webseite von Jane Heart, Centre for Learning and Performance Technology England,
    macht jedes Jahr eine Zusammenstellung der meistbenutzten tools. Hier ihre wichtigsten Beobachtungen:

    1. „YouTube remains the Number 1 tool for the 7th year running …“
    3. „Microsoft Teams (at #4) edged ahead of Zoom (at #5) this year …“
    4. „But more significantly, Microsoft Teams and other enterprise/collaboration platforms like Slack (at #11) and even SharePoint (at #34)  are now being used for multiple “learning” purposes in the organisation …“
    6. „LinkedIn (at #7) is still the top social network in 2022. Twitter (at #13) is now out of the top 10 for this first time since 2000 … that “the glory days of Twitter” have now passed …“
    7. „… and  LinkedIn Learning  (at #31), Udemy (at #56) and Coursera (at #84) are now the most valued online course platforms. …“

    https://www.toptools4learning.com/

    Ich schaue welche Werkzeuge ich mehr oder weniger benutzt habe im Jahr 2022.
    Sicher ist youtube von Google auch bei mir weit vorne. Whatsup, auf Platz 21 bei Heart, ist bei mir Nr. 2. WordPress brauche ich für diesen Blog, steht auf Platz 14 in der Rangliste Heart.
    Zoom brauche ich viel weniger, dafür Microsoft Teams. Nun kannst du selber vergleiche wie es bei dir aussieht.

    Beitrag Blog zu Resultaten 2019: https://wp.me/p7yrzO-1OW

  • Falschmeldungen ade

    Falschmeldungen ade

    Falschmeldungen – Fake News –  sind auf dem Internet und in sozialen Medien omnipräsent. Jeden Tag erscheinen Tausende von Nachrichten, Posts und Videos auf unzähligen Plattformen.
    Es ist für Jugendliche wie Erwachsene schwierig die Inhalte auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Oft stellt sich erst im Nachhinein heraus, dass die Information falsch oder nur teilweise richtig veröffentlicht wurde.

    Bereits gehört eine vertiefte Medienkompetenz zu den Schlüsselqualifikationen für alle, die sich mit Wissensarbeit (Journalismus, Lehre, Kommunikation, Forschung etc.) beschäftigen.
    Bei den Jugendlichen spielt hingegen die Meinungsbildung in der Familie, Schule und im Freundeskreis  eine grosse Rolle. Gleichzeitig nutzen 70% das Internet oder die sozialen Medien als Hauptinformationsquelle.
    Traditionelle Medien wie Fernsehen und Zeitungen haben für sie meist ausgedient. Newsportale und Wikipedia besuchen die Jugendlichen oft. Die kritische Bewertung dieser Informationen muss jedoch gelernt werden. Zusammen mit den Lernbegleitenden (Lehrpersonen), die sich auch mit Falschmeldungen auseinandersetzen müssen, geht es oft leichter.
    Wichtig ist, dass wir skeptisch bleiben bei emotional aufwühlenden Nachrichten, zuerst nachdenken, den Inhalt überprüfen, bevor wir die Seite weiterleiten.

    Social Media

    Die einfachsten Tipps sind:

    – Unterscheidung zwischen News und Unterhaltung

    – Absender überprüfen

    – Vorsicht wenn zu starke Emotionen geweckt werden, Fakten checken, Bilder  und Videos überprüfen

    – Vergleichen, vergleichen, vergleichen

    Als erste Massnahme können wir die Schlüsselwörter in eine (alternative) Suchmaschine eingeben und schauen welche Medien diese Nachricht ebenfalls verbreiten.
    Dann schauen wir die Quelle der Information genauer an. Wir suchen das Datum des Beitrags, auch das Impressum gibt weitere Hinweise. Wir suchen den Verfasser oder die Verfasserin im Internet.
    Wie oft wurde der Beitrag geteilt? Gibt es Kommentare zu diesem Post?

    Viele kennen die Möglichkeit auf Google die Fotos und Bilder rückwärts zu überpüfen. Mit der Kamerafunktion im Menu können wir ein Bild hochladen und schauen wo es sonst noch verwendet wird.
    Fotomanipulationen sind häufig und einfach herzustellen.

    Beispiel Textmanipulation AFD statt Hongkong:

    lFake News Lindner
    https://correctiv.org/faktencheck/hintergrund/2022/04/01/so-funktioniert-die-bilderrueckwaertssuche/?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

    Mit kostenloser Software können auch veränderte Wortbeiträge in ein Video reinkopiert werden.

    Weiterführende links:
    https://www.migros-engagement.ch/de/news-projekte/technologie-ethik/fake-news-erkennen?utm_source=engagement-newsletter&utm_medium=email&utm_campaign=ge_newsletter_2_dezember_de

    www.der-newstest.de
    www.lie-detectors.org
    www.journalismus-macht-schule.org
    www.hoaxsearch.ch
    ww.digitale-lernideen.com

    Quelle: SWR2 Wissen, Fake news auf dem Stundenplan, 2.4.2022

    Podcast mit HIntergrundsinformationen zu Fake News:

    https://www.tagesschau.de/multimedia/podcasts/faktenfinder-feed-101.html

  • 10 Jahre MOOCS

    10 Jahre MOOCS

    Seit über 10 Jahren werden uns verschiedenste Online-Kurse angeboten. Mit dem Schlagwort „MOOC – Massive Open Online Course“ – oder Snooc – Small Network Online Course – ging es los.
    Diese über das Internet zugänglichen Kurse wurden von namhaften Universitäten (z.B. Stanfort, Oxford, Open University) zuerst kostenlos angeboten. Wir konnten die Inhalte, Videos und Kursbestätigungen für uns runterladen. Die Kurse begannen an festen Daten, wurden von Professoren und fachlich kompetenten Tutoren zeitnah begleitet. Oft schrieben sich mehrere hundert oder tausend Leute für diese gratis angebotenen Kurse ein: Massive Open Online Courses eben, dazu kostenlos. Welch ein neues Bildungserlebnis! Allerdings zeigten die Statistiken, dass nur ca. 10% der Eingeschriebenen die Online Kurse wirklich beendeten.
    Nach 10 Jahren ist vieles anders geworden. Die meisten Kurse werden von Universitäten und privaten Unternehmen kostenpflichtig vermarktet. Dabei kann jederzeit mit dem Kurs begonnen werden. Die zeitnahe Begleitung durch die Lehrkräfte ist nicht mehr möglich. Die „community“ ist irgendwann online, arbeitet nicht mehr als Gruppe miteinander. Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden solche Kurse an, in diesem Bereich findet das grösste Wachstum für die Anbieter statt. Einzelpersonen, welche einen kostenpflichtigen Kurs zur Qualifizierung suchen, sind weniger geworden. 2021 ging der grosse Anbieter Coursera an die Börse. edX wurde durch 2u übernommen, auch hier „business as usual“. Die grossen Bildungsplattformen haben somit ihre Geschäftsmodelle und Kunden gefunden. Im Pandemiejahr sind die Nutzerzahlen stark gewachsen und haben sich heute auf einem höheren Niveau stabilisiert.
    Interessanterweise lief die Entwicklung in China gegenteilig. Der chinesische Staat hat letztes Jahr die grossen privaten Anbieter von Nachhilfe- und Weiterbildungskursen verboten. Die an der Börse kotierten Unternehmen erlebten einen bösen Absturz. Sie mussten sich in kurzer Zeit zu Non Profit Organisationen wandeln. Der Staat sah eine zu grosse Gefahr von Ungleichheit der Bildungschancen, v.a. bei den Nachhilfeangeboten für Kinder und Jugendliche.

    „In 2022, we can expect the top MOOC providers to further expand their catalog through non-university partners, as well as further expanding their businesses into the lucrative enterprise segment.“
    Dhawal Shah, EdSurge, 28. Dezember 2021

    Hier eine grafische Übersicht zu einigen MOOCS, die meisten sind aus dem englischsprachigen Bereich.

    openSAP, iversity und oncampus sind nicht enthaltene deutschsprachige Plattformen. Es gibt weitere Plattformen, die ähnliche Lernangebote bieten: Bekannte Beispiele sind Udemy und LinkedIn Learning.
    Findet hier wirklich das „neue Lernen“ statt? Handelst es sich nicht eher um neue Geschäftsmodelle, um neue Benutzerkreise an sich zu binden? Lohnt sich ein sechswöchiger Onlinekurs der Harvard Business School (HBS) in Boston zum Thema „Management“?  Sicher werden sich das viele überlegen, die gerne mit einem Zertifikat (900 US$) von Harvard ihren Lebenslauf schmücken.
    What role will MOOC platforms play in UK universities online futures?
    https://www.neilmosley.com/blog/nm6ovv8dvhqlrkovr5861l5pxlw0rc

    Digitale Experimente – Moocs oder Snocs
    (Süddeutsche Zeitung. 5.4.2017, Christine Demmer)

    Lernzirkel gründen zur Unterstützung des Online-Lernens:
    https://www.muellerkaelin.ch/lernzirkel-learning-circle/

  • Lernen neu denken

    Lernen neu denken

    Lernen neu denken. Das Hagener Manifest zu New Learning ist nach 2 Jahren Pandemie aktueller denn je.

    „Wie wollen, wie können, wie müssen wir zukünftig lernen?

    Der digitale Wandel transformiert Gesellschaft und Arbeitswelt tiefgreifend. Im Bildungssystem, in der Bildungspolitik und in der Gesellschaft fehlen jedoch ein angemessenes Verständnis dafür, wie die Digitalisierung das Lernen von Grund auf verändert hat – und weiter verändern wird. Schon seit Jahren fordern Bildungsexpert/innen:
    Unsere Vorstellung vom Lernen, unser Lernbegriff muss sich wandeln.
    Wir halten es deshalb für überfällig, ein grundlegend neues Verständnis vom Lernen zu entwickeln.“

     

    (Logo Hagener Manifest)

    40 Bildungsforschende unterzeichneten ein Manifest mit 12 Thesen zum neuen Lernen. Ganz neu sind diese Forderungen nicht, die Erwachsenenbildung arbeitet schon seit vielen Jahren in diese Richtung. Dabei stehen folgende Forderungen im Fokus:

    • den radikalen Perspektivwechsel weg vom Lehrenden hin zum Lernenden: Das neue Lernen – New Learning – brauche „persönliche Lernbegleitung und adaptive Lernumgebungen, die sich der Individualität und Diversität der Lernenden anpassen“.
      Hier gibt es auch nach der Pandemie noch viel Nachholbedarf. Die Technik kann es nicht einfach mit AI-KI richten.
    • die digitale Ausstattung von Schulen und Hochschulen: Laptops und Smartphones, Videoanwendungen, Tools für kollaboratives Arbeiten, Lern-Apps usw.
      HIer haben die Corona-Massnahmen einen grossen Fortschritt in der Ausstattung von vielen Bildungsträgern gebracht.
    • eine deutlich verbesserte berufsbegleitende Weiterbildung für Lehrende: „Wir müssen uns mit neuen Formen des Lernens vertraut machen.“ Lehrkräfte bräuchten „die Möglichkeit und Bereitschaft“, lebenslang zu lernen.
      „Lerning by doing“ war seit 2020 oft die Leitlinie in allen Bildungsstufen. Viele Online-Kurse und Videokonferenzen zu neuen tools haben trotzdem geholfen.
    • – die intensivere Zusammenarbeit aller Ebenen des Staates (in der Schweiz Bund, Kantone, Gemeinden).

    Auch wenn immer größere Anteile des Unterrichts in Zukunft digital stattfinden, bedeute dies jedoch nicht, „dass wir uns vom persönlichen Miteinander und von bewährten Präsenzformaten verabschieden“.

    Auf alle Fälle können sich die verschiedenen Bildungsträger eigene überprüfbare Ziele zu diesen Thesen setzen. Der digitale Bildungsmarkt arbeitet fleissig an neuen Produkten. Einerseits werden immer mehr kostenpflichtige Kurse von Firmen im IT-Bereich angeboten.
    Nach wie vor lassen sich auch kostenlosen Kurse bei den Volkshochschulen und öffentlichen Weiterbildungsträgern finden.

    Präambel Hagener Manifest:
    https://www.fernuni-hagen.de/universitaet/hagener-manifest/das-hagener-manifest.shtml

  • Lernzirkel – Learning Circle

    Lernzirkel – Learning Circle

    Ganz neu ist die Idee ja wirklich nicht, aber das Online-Lernen hat dieser Art von Peer2Peer Lerngruppen wieder Auftrieb gegeben. An den verschiedensten öffentlichen und privaten Räumen entstehen Lernzirkel ( Learning Circle).
    Warum nicht vermehrt auch in den kleineren Bibliotheken und Archiven, in Museen und Theatern?

    Learning Circles sind kleine Lerngruppen für Menschen, die am gleichen Onlinekurs teilnehmen und sich an einem Tisch mit Menschen von Angesicht zu Angesicht dazu austauschen wollen.

    Learning Circle (Ausschnitt vom Cover) veröffentlicht von der Peer 2 Peer University u. Chicago Public Library, CC BY-SA 4.0

    Was sind Learning Circles?

    In einem Learning Circle trifft sich eine Kleingruppe von Lernenden, die an einem öffentlichen Onlinekurs teilnehmen. Die Treffen können unter dem Dach einer Institution stattfinden, die nicht selbst Kursanbieterin sein muss – zum Beispiel einer Bibliothek oder eine anderen Einrichtung der Erwachsenenbildung. Das Konzept sieht für Koordination und Moderation von Learning Circles die Rolle des „Facilitators“ vor. Dafür braucht es keine pädagogische Ausbildung, vielmehr kann diese Rolle von Jedermann beziehungsweise Jederfrau übernommen werden. Im Handbuch für Learning Circles steht der zentrale Satz: “We won’t have a teacher – we’ll be teaching each other!” (dt.: „Wir werden keine Lehrer haben – wir werden gegenseitig voneinander lernen!“).
    Vor diesem Hintergrund kann die Methode Learning Circle ein zentrales Mittel zum Empowerment des selbständigen Lernens sein. Gerade für Lernende, die sich in Onlinekursen häufig im Wortsinne alleingelassen fühlen.

    Was braucht es, um einen Learning Circle zu starten?

    Die Komponenten eines Learning Circles lassen sich schnell überblicken:

    • ein offener Online-Kurs über mehrere Wochen
    • eine Gruppe von vier bis neun Co-Lernenden, die an diesem Kurs teilnehmen
    • eine Person als Facilitator, also als Gastgeberin und Moderatorin der Gruppe
    • ein wöchentlicher Termin mit je 90 bis 120 Minuten für die Dauer des Onlinekurses
    • ein fester Raum mit gutem Internetzugang für die wöchentlichen Treffen
    • eine Strukturierung dieser Treffen mit klarer Methode und verschiedenen Aktivitäten

    Wo finde ich Erfahrungen und Materialien zu den Learning Circles auf Deutsch?

    Das Konzept der Learning Circles kommt aus den USA und wurde dort von der Peer2Peer University entwickelt. Die bereits weltweit erfolgreich eingesetzten Materialien haben wir bei J&K auf Deutsch übersetzt, um Learning Circles auch im deutschsprachigen Raum besser verbreiten zu können. Die Materialien stehen dank der Finanzierung durch die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) bei der Hamburg Open Online University (HOOU) zum Download bereit. Da sie CC BY lizenziert sind, können sie als OER jederzeit kopiert und niedrigschwellig genutzt werden. Nachahmen erwünscht!

    Im Rahmen der Übersetzung fand ein Learning Circle in Kooperation mit den Bücherhallen Hamburg und der Technischen Universität Hamburg (TUHH) statt. Er stand unter dem Thema „Mitgedacht: Roboter in meinem Leben – und jetzt?“. Erste Erfahrungen können im HOOU-Blog nachgelesen werden. Bei diesem sehr besonderen Pilotprojekt konnten die Teilnehmenden sich sogar ihren eigenen Learning Circle kreieren. Aus vielen freien Quellen entstand durch das Zusammenwirken der Lernenden freies Lernmaterialien zu künstlicher Intelligenz im Alltag. Die Dokumentation ist – zusammen mit vielen spannenden Links – als offene Bildungsressource veröffentlicht.“

    PS: Learning Circles als Lernteams an der Stadtbibliothek Köln
    Absolute Vorreiter der Anwendung von Learning Circles in Deutschland war die Stadtbibliothek Köln, die mit dem Begriff „Lernteams“ arbeitet. 2018 hat Jöran dazu folgende Interview bei der re:publica geführt: https://re-publica.com/de.

    Ein Beitrag von Julia Zwick und Jöran Muuß-Merholz. Das Projekt Learning Circles wurde in der Agentur J&K von Gabi Fahrenkrog und Julia Zwick geleitet.
    https://www.joeran.de/learning-circles-erfahrungen-in-deutschland/

    Neue – alte Lernorte

    EPALE Talk: 15.3.2022: Learning communities und Selbstlernkompetenz

    https://epale.ec.europa.eu/de/content/epale-talk-learning-communities-und-selbstlernkompetenzen

     

  • Passwörter und Gedächtnislücken

    Passwörter und Gedächtnislücken

    Passwort als Schlüssel

    Passwörter sind bei allen Internetanwendungen wichtig. Wer hat da nicht schon das Passwort für eine Anwendung vergessen oder in seinen Notizen nicht mehr gefunden?
    In dem von mir besuchten Online-Kurs auf futurelearn.com heisst die Devise: Passwords are key.
    Gerade die Corona-Zeit bringt uns alle öfter beim Lernen, Arbeiten und Einkaufen ans Netz. Die Sicherheitsprobleme im Internet werden dabei immer grösser. Jeden Tag gibt es kurze Meldungen in den Medien von Datendiebstahl und Datenmissbrauch.
    Die meisten Kommentare von Bildungsverantwortlichen heben verständlicherweise die positive Seite des Online-Learnings hervor. Was kann sonst in der präsenzfreien Zeit schnell vermittelt werden? Das Versenden von Unterlagen per Post wird von den wenigsten Bildungsfachleuten in der Weiterbildung gewählt.

    Das Thema Internetsicherheit (cybersecurity) verdient im digitale Zeitalter eine noch grössere Aufmerksamkeit. Wir sind uns immer noch zu wenig bewusst wie leicht unsere passwortgeschützten Systeme angegriffen werden können. Viele von uns haben bereits mit Spam-emails schlechte Erfahrungen gemacht. Unsere oder bei uns gespeicherte email-Adressen wurden für Werbe- oder Spammails gebraucht. Meist stand ein link auf diesem email, der angeklickt werden sollte – und schon waren wir in der Falle gelandet. Auf diese Weise können Programme auf unser Samartphone oder Computer geladen werden, die das Computersystem beschädigen oder ganz funktionsuntüchtig machen. Wir brauchen danach viel Zeit um unsere digitalen Werkzeuge wieder sicherer zu machen.

    Passwort-Schlüsselbund

    Der von mir besuchte Online-Kurs schlägt die bekannten Passwort-Sicherheitsmöglichkeiten vor:

    – Starkes Passwort (Gross- u. Kleinbuchstaben, Zahlen, andere Zeichen, mind. 12 Zeichen lang), das von Passwortentschlüsselungssoftware nicht so leicht geknackt werden kann. Pro Konto benötigen wir jeweils 1 neues Passwort.
    – Zweifach-Identifikation mit dem eigenen Passwort und via Smartphone (Nummer, Buchstabenfolge oder beides), auch bei Social Media (z.B.) facebook und google-Anwendungen nötig.
    – Passwort-Manager, der über ein eigenes Master-Passwort Zugang zu allen verwendeten Passwörtern gibt. Der Passwortmanager sollte sich nach kurzer Zeit verschliessen und auf dem eigenen PC verschlüsseln.

    Die Teilnehmenden schildern ihre Erfahrungen pro und contra Zweifach-Identifizierung und Passwort-Manager. Die Zweifachidentifizierung bekommt gute Rückmeldungen, die verschiedenen Passwort-Manager müssen genauer geprüft werden.
    Mein Fazit nach der zweiten Woche:
    Die ganze Verantwortung für die Sicherheit unserer Systeme bei Missbrauchsfällen liegt bei uns. Meist sind es nur Firmen, die sich eine Anklage mit Anwalt bei Datendiebstahl leisten können. Private, besonders Lernende, machen das sehr selten.
    Wir übernehmen somit das ganze Risikokmanagement, wir sind für die komplizierten Sicherheitsfragen bei unserem Internetgebrauch verantwortlich.
    Ob das allen von uns, besondern jüngeren Lernenden, klar ist? Und zum Schluss: am meisten Würmer und Troyaner werden über Spiele aus dem Internet verbreitet. Die Zielgruppe sind wiederum meist jüngere Leute.

    Internetsicherheitscheck

    Link zur Ueberprüfung ob eigene email-Adresse schon gehackt wurde: https://haveibeenpwned.com

    Informationen zu aktuellen Cyberbetrugstechniken in der Schweiz: https://www.ncsc.admin.ch/ncsc/de/home.html

    4 regelmässige Checks, die für alle unerlässlich sind:
    – Betriebssystem überprüfen
    – Daten regelmässig extern sichern
    – Firewall- und Antivirus Checks