Neu-alte Interaktions- und Kollaborationsformen

Je digitaler unsere Arbeit in allen Branchen wird, umso grösser wird unser Bedürfnis nach analogen Begegnungen. Das bestätigen sicher alle, die momentan ihre Zeit im «Home Office» verbringen müssen oder dürfen. Wir sehnen uns danach mit unseren KollegInnen und Freunden zusammenzusitzen ohne auf den Bildschirm schauen zu müssen.

Viele Wissensinhalte können leicht digital vermittelt werden durch Videoaufzeichnungen. Auch Chats, Blogs, Moocs und Lernplattformen haben Konjunktur. Und dennoch, wir wollen uns oft lieber mit anderen treffen und direkt austauschen. Dies kann in Zweier- oder Teamarbeit, in Gruppenarbeiten und weiteren Präsenzformen geschehen.

Stetig haben sich die angesagten Lernszenarien der Weiterbildung verändert. Stärkere digitale Vernetzung, soziale Interaktion mit neuen Medien, benutzerdefinierte Inhalte, Teilen von Inhalten, sind wichtige Stichworte dazu.

Lehrende initiieren, moderieren und begleiten das Lernen vermehrt online. Sie unterstützen die Zusammenarbeit der Lernenden neben den Präsenzphasen mit neuen digitalen Infrastrukturen. Sie kennen sich mit digitalen Werkzeugen aus und haben bereits mehrere Szenarien in der Online-Didaktik ausprobiert.


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Blended Learning mit Rollen- und Raumwechsel
Idealerweise könnte das digitale Online-Lernen das analoge Präsenzlernen vertiefen, interessanter machen. Das Präsenzlernen wäre dann der Raum, der für den direkten Austausch eingesetzt würde. Neues Wissen könnte vertieft und Wissenslücken geschlossen werden. Der schlecht gelüftete Kursraum erhielte einen Frühlingsputz, die alten Sitzreihen würden ausgemistet. Bequeme «Open Space»-Flächen entstünden.

Es dürfte nach Herzenslust diskutiert, argumentiert und reflektiert werden. In der direkten Auseinandersetzung könnten neue Gesichtspunkte erarbeitet werden. Rollenwechsel zwischen Lehrenden und Lernenden wäre vermehrt möglich. Die Rolle des Experten wäre nicht mehr so klar zuweisbar. So schön, so gut.

Es ist und wird nicht so sein und werden. Viele Technikfirmen haben die Bildung schon lange als neues Marktsegment entdeckt. Neue nun digitale Vermittlungskorsette sind entstanden, die ihre rechtlichen, sozialen und politischen Tücken haben. Die frische Luft war von kurzer Dauer. Die bekannten Grosskonzerne sind mit ihren Lizenzen weiter auf dem Vormarsch. Gratis gibt es sicher nichts – «There is no free lunch»!


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Das Paradox bleibt. Beim eigentlichen Lehren und Lernen hat sich bis jetzt, trotz unglaublich vieler E-Technik, inhaltlich weniger geändert als angenommen. Obwohl gleichzeitig alles anders geworden ist in den letzten 20 Jahren, die Informationen anders aufgenommen werden, sind die Lernenden nicht einfach spielend zu «Selbstlernenden» geworden. Lassen wir uns also überraschen von der Zukunft.
Die Wissensgesellschaft geht nun erst so richtig los!

Ed Tech Entwicklungen in Kürze:
Es begann mit Hypertext-HTML, Uniform Resource Locator-URL, Hypertext Transfer Protocol-HTTP (1995), Wikis (1998), E-learning (1999) u. E-learning standards (2001), Learning Management Systems-LMS (2002), blogs (2003), Videos (2005), E-Portfolios (2008), Massive Open Online Courses (Moocs), Twitter und Social Media (2009) Digital Badges (2015), Automatische Intelligenz-AI (2016), Blockchain (2017), Ed Tech Dystopie-Antiutopie (2018), 2019…., Videocollaboration (2020)……

Quelle: Martin Weller: 25 Years of Ed Tech, Au Press 2020
2020-25_Years_of_Ed_Tech

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